Michelin organisiert seine Aktivitäten in Italien, Großbritannien und Deutschland neu

5.11.2015. Michelin intensiviert seine Strategie zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, um das Wachstum in Europa zu fördern und den Veränderungen des Marktes zu begegnen.

In Europa beschäftigt die Michelin Gruppe an 40 Produktionsstandorten mehr als 65.000 Mitarbeiter. Dies macht 40 Prozent der gesamten Aktivitäten der Gruppe aus.

In den vergangenen Jahren haben das Wettbewerbsumfeld und die Wirtschaftskrise zu tief greifenden Veränderungen auf dem europäischen Reifenmarkt geführt. Besonders betroffen sind neue und runderneuerte Nutzfahrzeugreifen.

Ziel von Michelin ist es, in Europa der größte Reifenhersteller zu bleiben und weiter zu wachsen. Daher will sich die Gruppe im Hinblick auf Produkte mit hohem Mehrwert deutlicher positionieren.

Um dies zu erreichen, organisiert Michelin seine Aktivitäten in Italien und Großbritannien neu. Damit verbunden sind Investitionen in Höhe von insgesamt 265 Millionen Euro, die in beiden Ländern in die Modernisierung von Produktionsanlagen und Logistiknetz fließen. In Deutschland wird der Standort der Laurent Reifen GmbH im brandenburgischen Oranienburg geschlossen.

Italien

Italien ist für Michelin ein wichtiger europäischer Standort. Mehr als zehn Prozent der gesamten europäischen Produktion entfallen auf Italien; mehr als 4.000 Mitarbeiter arbeiten dort für die Gruppe, davon 80 Prozent in den Werken. Um den Marktveränderungen zu begegnen und den Standort Italien langfristig zu sichern, wird sich die Michelin Gruppe in den kommenden fünf Jahren strategisch neu positionieren.

In dieses Projekt fließen Investitionen in Höhe von 180 Millionen Euro. Ziel ist es, bis 2020 die Produktion von Pkw- und Leicht-Lkw-Reifen im Land deutlich zu erhöhen. Dafür baut die Gruppe vor allem die Werke in Cuneo und Alessandria aus.

Ausbau des Werks Cuneo zur Weiterentwicklung der Produktion
Mit mehr als 2.000 Mitarbeitern ist das Werk Cuneo heute der größte Michelin Produktionsstandort für Pkw- und Leicht-Lkw-Reifen in Europa. Außerdem zählt es zu den wichtigsten europäischen Standorten für die Herstellung von Halbfabrikaten.

Auf der Grundlage aktueller Marktprognosen plant Michelin, an diesem Standort bis 2020 die Produktion um 20 Prozent zu erhöhen. Die Fertigung von High-Performance- und Ultra-High-Performance-Reifen wird ausgebaut; parallel dazu soll das Werk deutlich wettbewerbsfähiger werden.

Spezialisierung des Werks Alessandria auf die Herstellung von Nutzfahrzeug-Neureifen

Für das Werk Alessandria mit mehr als 800 Mitarbeitern ist die Spezialisierung auf Nutzfahrzeug-Neureifen vorgesehen. Ziel ist es auch dort, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und aufgrund von aktuellen Marktprognosen die Produktion um ein Fünftel zu steigern. Angesichts der stark nachlassenden Nachfrage nach runderneuerten Reifen in Europa plant die Gruppe, die Runderneuerung am Standort Alessandria bis Mitte 2016 zu schließen.

Schließung des Werks Fossano (Halbfabrikate) bis Ende 2016

Der Preisdruck auf die Art von Halbfabrikaten, wie sie in Fossano gefertigt werden, hat dazu geführt, dass die Produktion an diesem Standort seit 2009 um 45 Prozent zurückgegangen ist. Angesichts der bestehenden Überkapazitäten muss Michelin seine Produktionsanlagen rationalisieren, um bei den Herstellkosten wettbewerbsfähig zu bleiben.

Daher plant die Gruppe die Schließung des Werks Fossano, das derzeit 400 Mitarbeiter beschäftigt. Die dort hergestellten Produkte wird Michelin künftig teilweise extern einkaufen, um die Produktionskosten zu senken, teilweise in anderen europäischen Werken der Gruppe produzieren.

Neuorganisation des Logistiknetzes

Auch im italienischen Vertrieb stehen Veränderungen bevor: Michelin wird das Logistiknetz umgestalten, um die Lager näher an die Werke Cuneo und Alessandria zu rücken. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit des Vertriebsnetzes zu verbessern. Michelin wird die Lager in Turin und Rom modernisieren, um von dort aus das gesamte Land zu beliefern. Das Lager in Tribano mit derzeit 28 Mitarbeitern wird voraussichtlich bis Ende 2017 schließen.

Bis 2020 wird das Projekt der Neuorganisation in Italien 578 Mitarbeiter betreffen. Michelin wird jeden Mitarbeiter bei der beruflichen Neuorientierung individuell begleiten und ein neuartiges Unterstützungssystem für die berufliche Wiedereingliederung einrichten. In den nächsten Wochen wird die Gruppe dieses Projekt zusammen mit den Arbeitnehmervertretern erarbeiten.

Großbritannien

Seit mehr als 100 Jahren ist die Michelin Gruppe in Großbritannien ansässig; derzeit ist Michelin der größte Reifenhersteller im Land. Die 1905 gegründete Michelin Tyre PLC beschäftigt aktuell 2.500 Mitarbeiter. Künftig wird Michelin seine Aktivitäten in Großbritannien auf die Wachstumssegmente im Bereich Pkw- und Leicht-Pkw-Reifen sowie im Bereich Runderneuerung konzentrieren. Damit passt sich die Gruppe den Marktveränderungen an und verstärkt ihre Präsenz in Großbritannien. Bis 2020 werden Investitionen in Höhe von 85 Millionen Euro diese Strategie unterstützen.

Ballymena (Nutzfahrzeugreifen):

Standortschließung bis Mitte 2018

Seit einigen Jahren kämpft der Standort Ballymena mit besonderen Schwierigkeiten. Dazu gehören ein extrem aggressives Wettbewerbsumfeld, Überkapazitäten auf dem Markt für Nutzfahrzeugreifen, extrem hohe Logistikkosten aufgrund der geografischen Lage sowie hohe Herstellkosten vor allem wegen hoher Energiepreise. Aus diesen Gründen plant Michelin, bis Mitte 2018 den Standort Ballymena zu schließen. Michelin wird alle 860 Mitarbeiter, die von der Neuorganisation betroffen sind, individuell bei ihrer beruflichen Neuorientierung begleiten. Die Grundlagen dafür wird Michelin zusammen mit den Sozialpartnern definieren.

Dundee (Pkw- und Leicht-Lkw-Reifen):

Investitionen in Höhe von 69 Millionen Euro

Das Werk Dundee, das 855 Mitarbeiter beschäftigt, stellt Pkw-Reifen für das Kernsegment her. Für dieses Werk plant Michelin beträchtliche Investitionen, um größere Reifendimensionen herstellen zu können. Ziel ist es nach aktuellen Marktprognosen, die Produktion bis 2020 um 30 Prozent zu steigern, um die stark wachsende Nachfrage zu decken. Darüber hinaus ist geplant, die wachsende Produktion mit einer neuen Lager-Plattform zu begleiten.

Stoke-on-Trent (Runderneuerung):

Weiterführung der Strategie

Das Werk Stoke-on-Trent mit 260 Mitarbeitern hat in den vergangenen Jahren seine Produktionsanlagen für die Runderneuerung modernisiert, um die neue Multimarken-Strategie zu bedienen. Diese wird fortgeführt und weiter verstärkt. Geplant ist, dort 16 Millionen Euro in Produktion und Logistik zu investieren. Vor allem soll eine neue Lager-Infrastruktur errichtet werden, von der aus ganz Großbritannien beliefert wird.

Durch die Investitionen in Stoke-on-Trent und Dundee werden 110 neue Stellen entstehen.

In Italien und Großbritannien wird sich Michelin Development mit den nötigen Maßnahmen dafür einsetzen, das wirtschaftliche Umfeld der betroffenen Standorte wieder zu beleben.

Deutschland:

Reifen Laurent Werk (Runderneuerung von Nutzfahrzeugreifen) wird bis Ende 2016 geschlossen

Angesichts der gravierenden Schwierigkeiten auf dem europäischen Runderneuerungsmarkt plant die Michelin Tochter Pneu Laurent, ihren Standort im brandenburgischen Oranienburg bis Ende 2016 zu schließen und ihre gesamten Aktivitäten im französischen Avallon zu konzentrieren. Pneu Laurent verpflichtet sich, die 180 Mitarbeiter in Oranienburg bei ihrer beruflichen Neuorientierung mit auf sie zugeschnittenen Angeboten bestmöglich zu unterstützen und zu begleiten.

Um die Projekte zur Neuorganisation zu finanzieren, wird die Michelin Gruppe für ihre konsolidierten Abschlüsse zum 31. Dezember 2015 Rückstellungen für außergewöhnliche Kosten in Höhe von 280 Millionen Euro bilden.

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